Pflegetagebuch-App für Angehörige

Würdevoll pflegen. Vertrauensvoll handeln. Digital begleiten. Das digitale Pflegetagebuch hält fest, was die Begutachtung an einem einzigen Tag nicht sehen kann.

Warum ein Pflegetagebuch über den Pflegegrad entscheidet

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK) dauert in der Regel etwa eine Stunde. In dieser Stunde soll sichtbar werden, wie selbstständig ein Mensch über Wochen hinweg ist. Das geht schief, wenn der Tag gut läuft: Viele Menschen mit Demenz sind im Beisein von Besuch wacher und gefasster als sonst, viele Betroffene beschönigen aus Scham, und die nächtliche Unruhe zeigt sich um elf Uhr morgens nicht.

Ein Pflegetagebuch ist die Gegenrechnung. Es hält über zwei bis vier Wochen fest, wobei Sie helfen, wie lange das dauert und wie oft es nötig ist. Damit wird aus „sie kommt eigentlich zurecht" ein nachvollziehbares Bild: dreimal nachts aufgestanden, beim Waschen vollständig übernommen, Medikamente gestellt und Einnahme kontrolliert.

Genau darauf schaut die Begutachtung. Sie fragt nicht nach Diagnosen, sondern nach Selbstständigkeit in sechs Bereichen.

Ob Sie das auf Papier oder als digitales Pflegetagebuch führen, ist rechtlich gleichgültig – beides wird anerkannt. Der Unterschied liegt in der Auswertung: Ein digitales Pflegetagebuch rechnet die Modulsummen mit, zeigt, wo Ihre Aufzeichnung dünn bleibt, und lässt mehrere Angehörige und den Pflegedienst in dieselbe Akte schreiben. Wer lieber mit Papier anfängt, findet hier eine Vorlage zum Ausdrucken.

Die sechs Module - und was Ihre Einträge belegen müssen

ModulWas begutachtet wirdGewicht
1Mobilität
Aufstehen, Umsetzen, Fortbewegen in der Wohnung, Treppensteigen.
10 %
2Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Orientierung, Erkennen von Personen, Entscheidungen im Alltag, Gespräch.
15 % (zusammen mit Modul 3)
3Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Nächtliche Unruhe, Abwehr von Pflege, Ängste, Aggression.
15 % (zusammen mit Modul 2)
4Selbstversorgung
Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilette. Das schwerste Modul.
40 %
5Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen
Medikamente, Verbände, Injektionen, Arztbesuche, Therapien.
20 %
6Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Tagesablauf gestalten, Kontakte pflegen, sich beschäftigen.
15 %

Module 2 und 3 teilen sich eine Gewichtung von 15 Prozent; gezählt wird nur der höhere der beiden Werte. Deshalb ergibt die Summe 100 und nicht 115 Punkte.

Die 40 Prozent auf Selbstversorgung sind der Hebel. Wer nur notiert „beim Waschen geholfen", verschenkt sie. Tragfähig ist: „Oberkörper selbst, Unterkörper und Füße vollständig übernommen, 20 Minuten, täglich." Der Unterschied zwischen „teilweise" und „vollständig übernommen" entscheidet über Punkte.

Von den Punkten zum Pflegegrad

GradGesamtpunkteBedeutung
Pflegegrad 112,5 bis unter 27 Punktegeringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 227 bis unter 47,5 Punkteerhebliche Beeinträchtigung
Pflegegrad 347,5 bis unter 70 Punkteschwere Beeinträchtigung
Pflegegrad 470 bis unter 90 Punkteschwerste Beeinträchtigung
Pflegegrad 590 bis 100 Punkteschwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen

Die Punktwerte stehen in § 15 SGB XI. Unser Pflegegrad-Rechner rechnet mit genau diesen Schwellen und zeigt Ihnen, welches Modul Ihr Ergebnis nach oben oder unten zieht.

Was am Ende dabei herauskommt

GradPflegegeld
§ 37 SGB XI
Pflegesachleistung
§ 36 SGB XI
Entlastungsbetrag
§ 45b SGB XI
Pflegegrad 1——131 €
Pflegegrad 2347 €796 €131 €
Pflegegrad 3599 €1.497 €131 €
Pflegegrad 4800 €1.859 €131 €
Pflegegrad 5990 €2.299 €131 €

Monatliche Beträge, Stand 2025. Pflegegeld und Pflegesachleistung lassen sich kombinieren; der Entlastungsbetrag ist zweckgebunden und wird erstattet, nicht ausgezahlt.

Drei Fehler, die Punkte kosten

Wann eine kostenlose Tagebuch-App genügt – und wann nicht

Es gibt kostenlose Pflegetagebuch-Apps, die alle Daten nur auf dem Telefon speichern, ohne Registrierung und ohne Werbung. Wenn Ihre Lage so aussieht, nehmen Sie eine davon oder unsere Vorlage als PDF:

Dann ist ein Monatsbeitrag nicht zu rechtfertigen, und wir behaupten es auch nicht.

Drei Dinge, die ein Tagebuch auf dem Telefon nicht leisten kann

Sensorik mit Ampel

Nachts schreibt niemand mit. Sturz, Rauch, verlassenes Bett, offene Tür, Raumklima werden gemessen und nach festen Regeln in rot – sofort handeln, gelb – nachsehen und grau – Wartung übersetzt. Jede Meldung ist ein datierter Eintrag, der später bei der Begutachtung zählt. Wie die Ampel arbeitet

Eine Akte für alle

Geschwister, Pflegedienst und Sie schreiben in dieselbe Dokumentation und sehen dasselbe – aus 80 Kilometern Entfernung genauso wie am Küchentisch. Daten, die nur auf einem Gerät liegen, können das nicht. Pflege aus der Ferne

Von jemandem, der es gebraucht hätte

Entstanden nicht in einem Softwarehaus, sondern bei der Pflege eines Angehörigen über 80 Kilometer, von Pflegegrad 2 bis 5. Daher die Ampel und nicht die Zahlenkolonne. Die Geschichte dahinter

Was dagegen spricht – offen gesagt

Häufige Fragen zum Pflegetagebuch

Muss ich ein Pflegetagebuch führen?

Nein, vorgeschrieben ist es nicht. Der Medizinische Dienst begutachtet an einem einzigen Tag. Ein Tagebuch über zwei bis vier Wochen zeigt, was an diesem Tag zufällig gut lief oder zufällig schlecht - und ist das einzige Papier, mit dem Sie einem Gutachten etwas entgegensetzen können.

Wie lange sollte ich führen, bevor der Termin ist?

Mindestens zwei Wochen, besser vier. Kürzer wirkt wie ein Ausschnitt, länger hält kaum jemand durch. Wichtig ist Lückenlosigkeit an den Tagen, die Sie erfassen, nicht die Gesamtdauer.

Was gehört hinein und was nicht?

Hinein gehört, was jemand nicht mehr allein kann, wie lange die Hilfe dauert und wie oft sie nötig ist. Nicht hinein gehören Diagnosen und Vermutungen - begutachtet wird die Selbstständigkeit, nicht die Krankheit.

Reicht eine App, oder muss es Papier sein?

Beides ist zulässig. Der Vorteil der App ist die Auswertung: Sie sehen, welches der sechs Module belegt ist und wo Ihre Aufzeichnung dünn bleibt. Zum Termin nehmen Sie den Ausdruck mit.

Heißt es MDK oder Medizinischer Dienst?

Fachlich richtig ist Medizinischer Dienst (MD). Bis 2021 hieß er MDK – Medizinischer Dienst der Krankenversicherung – und war den Krankenkassen zugeordnet. Seit dem MDK-Reformgesetz sind die Medizinischen Dienste eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Aufgabe ist dieselbe: Sie begutachten im Auftrag der Pflegekasse nach § 18 SGB XI. Wenn Sie nach MDK suchen, meinen Sie den MD.

Kann ich das Tagebuch auch aus der Ferne führen?

Ja. Mehrere Angehörige und der Pflegedienst können dieselbe Person dokumentieren. Wer 80 Kilometer entfernt wohnt, sieht am Abend, was am Tag passiert ist.

Hinweis. Diese Seite erklärt das Verfahren allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Pflegeberatung. Beträge und Punktwerte geben den Stand 2025 wieder und sind der jeweils genannten Rechtsgrundlage entnommen. Verbindlich entscheidet immer Ihre Pflegekasse. Eine kostenlose und unabhängige Beratung bekommen Sie beim Pflegestützpunkt Ihrer Kommune und bei den Pflegeberatungen nach § 7a SGB XI.

Ihr Pflegetagebuch, digital geführt

Der Care-Assistant führt das Pflegetagebuch digital: Einträge in Sekunden, Auswertung nach den sechs Modulen der Begutachtung, Bericht als PDF für Pflegekasse und Medizinischen Dienst.

9,50 € im Monat, jederzeit kündbar. inkl. 19 % MwSt.